GLAS: Kafeeschalenbehälter, Glasperlen

ADMIN. DATEN: Sammlungsobjekt des Weltmuseum Wien (WMW) – Auftraggeber

OBJEKTDATEN: Region: Nordostafrika/Äthiopien/Kaffa / Datierung: ? / Behälter für Kaffeeschalen mit Deckel / holer Holzkorpus, umfasst von einem Netz aus Perlengewebe (mehrfarbig)

MASZE: H 29 cm x D 12,2 cm

KLASSIFIZIERUNG OBJEKT: Kafeeschalenbehälter mit Deckel / gesamt: Holer Holzkorpus, umfasst von einem Netz aus aufgefädelten Glasperelen (mehrfarbiges Perlengewebe), Fäden (Pflanzenfaser) mit Gebrauchsspuren / Holz: dunkel, dicht, gedreht, Löcher zur Befestigung / Perlen: Glas (Saatperlen), ca. 1,5 – 3 mm, 7 Farbtöne (1 weiß, 2 Gelb, 3 blau, rot), auf Fäden gefädelt und zu einem Netz verflochten / Fäden des Perlennetzes: pflanzliche Faser, verzwirnt, vmtl. zur leichteren Weiterverarbeitung mit vmtl. fetten Substanzen (z.b. Harz, Öl, Fett, Wachs od. Mischungen …) behandelt / Fäden, Schnüre zum Tragen des Gefäßes: pflanzliche Faser, verzwirnt

SCHADEN URSACHE+BILD: Schäden bzw. Spuren durch Benutzung und Lagerung / Gesamt: innen und außenseitig verschmutzt (Museumsstaub, aber auch Gebrauchsspuren!); sehr verschmutzt (klebrig-schmieriger Schmutz) und vermehrt im Sockelbereich und zwischen den Perlen / Holz: klaffender Riss im Holzsockel / Fäden: zum Tragen tw. gerissen; allgem. verbräunt, abgebaut und brüchig, ausgefranst, ausgefasert; in den Kontaktzonen mit Glaskrankheit konfrontierten Perlen vollständig abgebaut; Fäden des Perlennetzes stellenweise gebrochen, was Perlenverluste verursachte; an / Glasperlen: Gebrochene Perlen (Blau, rot weiß, Verlustgefahr); Perlenverluste aufgrund gerissener Fäden (weiss) stark fortgeschrittene „Glaskorrosion“ an ausgewählten Glasperlen (v.a. an mittelblauen Perlen, Schaftmitte und Sockelbereich) – ausgehend von Glasrissen oder -brüchen bzw. dem Perlenloch (Hygroskiopizität der Fäden, fette Substanzen!); Umwandlung bzw. Kristallisation des Glases mit gelblicher Färbung, Umwandlungsprodukte wachsen mit erheblicher Volumszunahme weit über die Oberlfäche und treiben Perlenfragmente auseinander bzw. überwuchern diese zum Teil; Perlenteile bzw. auch bereits ganze Perlen haben sich vollständig umgewndelt; umgewandelte Bereiche sind mechanisch instabil (weich, kristallin, zuckrig, wachsartig abschiebbar) und ästhetisch störend; die Umwandlungsprodukte halten die Perlenfragmente zusammen (nicht sehr stabil, aber dennoch); helle, weißliche Reaktionsprodukte/Auflagerungen/Ausblühungen: vermehrt bei blauen Rauten und benachbart zu den Umwandlungszonen der Glaskorrosion, vmtl Salzausbllühungen od. Salzreaktionsprodukte, ev. kann es sich auch um Verseifungsprodukte handeln (fetthaltige Substanzen); / Alte Ausbesserungen: gerissene Fäden wieder verknotet (vmtl. in der Gebrauchsphase des Objektes) / Zustand insgesamt schlecht, aufgrund der vorliegenden Glaskorrosion = materialimmanent und kann nicht gestoppt, max. durch klimatisch stabile Lagerung bei ca. 40% rH eingedämmt werden

ZIELSETZUNG: Substanzsicherung und klimatisch geregelte Lagerung und Präsentation / Reinigung der Oberfläche / Prüfung der Glaskorrosion / Sicherung der gerissenen Perlenbereiche vor weiteren Verlusten / Sicherungen der Fäden

MASSNAHMEN, 2014: pH-Wert Messung Glasoberfläche: Universalindikator Merck, 7-8 / Reinigung: Absaugen der ges. Oberfläche (Atmos Atmolit 26 + weiche Pinsel); Glasperlen – tw. trocken mit Ethanol 96% pur und tw trocken-feucht mit LM-Mischung (Ethanol, dest. Wasser 1+1); durch Papiervlies mit entfeuchten Borstenpinsel – Ziel war es so wenig wie möglich Feuchtigkeit (Glas, Fäden, Holz) einzubringen; auch die hellen Ausblühungen wurden so entfernt; anschließendes gründliches Absaugen mit Mikrostaubsauger und wenig Saugkraft/ Klebung: gebrochene Perlen punktuell verklebt (Plextol P 550 in Benzin 100/140 + Toluol) / Glaskorrosion – Sicherung: die Schadensmechanismus kann nicht gestoppt werden, nur verlangsamt durch eine klimatisch kontrollierte Lagerung; Umwandlungsprodukte tw. trocken-mechanisch reduziert (Skalpell, Nadel), insofern sie keine mechanische Aufgabe erfüllt haben (lese folgt); Perlen mit starken Auswucherungen der Umwandlungsprodukte wurden mit einer transparenten Acrylharzschicht überzogen (Plextol P550 in Benzin + Toluol), diese Haut soll den auseinandertrifftenden Teilen etwas zusätzlichen mechanischen Zusammenhalt geben; Perlenfragmente, die fest im Verband sitzen, und bei vorsichtiger Handhabung nicht von alleine abfallen können, wurden ohne Maßnahme belassen / Sicherung: Perlen nähtechnisch gesichert (farbig passenden Seidfäden, Chirurgennadel) / Fäden: Die Tragefäden leicht befeuchtet und flexibel gemacht (Ultraschallvernebler, dest. Wasser) um sie zu ordnen; alle ausgefransten gefährdeten Bereiche wurden nähtechnisch gesichert (Seidenfäden, gebunden)

MATERIAL: Atmos Atmolit 26 (Mikrostaubsauger zur Trockenreinigung / Ethanol 96%ig pur bzw. LM Mischung Ethanol 96%ig + dest. Wasser (1 + 1) und Kimtech Science, Labortücher + weiche kurzhaarige Borstenpinsel – für die Reinigung der Glasperlen mit Pinsel durch das Vlies als Zwischenlage / Webril Handi-Pads, reines Baumwollvlies – für die Reinigung der Glasperlen / Skalpell, Nadlen für tw. Entfernung der Glasskorrosions-Produkte / PLEXTOL P 550 (Acrylharz) in Benzin 100/140 + Toluol für die punktuelle Klebung von Glasperlen und zur mechanischen Sicherung der massiv von Glaskorrosion betroffenen Perlen (Hautbildung) / eingefärbte Seidenfäden + Chirurgennadel – für die nähtechnischen Sicherungen

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